Palliative Care

Ein Schwerpunkt-Thema vertieft.

Unser Positionspapier

Im Jahr 2020 plant der Kanton Aargau die Angebote für Palliative Care zu über­prüfen und im Jahr 2021 neu zu ordnen. Der Aargauische Senioren­verband (ASV) erachtet diesen Schritt als dringlich. Er setzt sich für ein würdevolles Leben und Sterben ein. Jede vierte Person erhält in ihrem Leben die Diagnose unheilbar krank zu sein. Diese Personen sollen unabhängig von ihrem Alter und ihrer Krankheit Palliative Care nutzen können.

Palliative Care respektiert die Würde und Autonomie von Menschen mit unheilbaren oder chronisch fortschreitenden Krankheiten. Ein multiprofessionales Team geht auf die Betreuungswünsche und Prioritäten des Patienten und seiner Angehörigen ein mit dem Ziel, den Patienten eine möglichst gute Lebensqualität – also Wohlbefinden – zu ermöglichen und so Leiden zu lindern.
 

Palliative Care beginnt bereits bei der Diagnosestellung, wird aber erst zum Schwerpunkt, wenn das Kurieren der Krankheit und lebensverlängernde Massnahmen nicht mehr an erster Stelle stehen.

Die WHO definiert Palliative Care als eine Haltung und Behandlung, welche die Lebensqualität von Patienten und ihren Angehörigen verbessern soll, wenn eine lebensbedrohliche Krankheit vorliegt.

Sie erreicht dies, indem sie Schmerzen und andere physische, psychosoziale und spirituelle Probleme frühzeitig und aktiv sucht, immer wieder erfasst und angemessen behandelt.

Palliative Care:

  • lindert Schmerzen und andere belastende Beschwerden
  • unterstützt die Patienten darin, so lange wie möglich aktiv zu bleiben
  • integriert psychische und spirituelle Aspekte,
  • bejaht das Leben und erachtet das Sterben als normalen Prozess
  • will den Tod weder beschleunigen noch verzögern
  • unterstützt Angehörige, die Krankheit der Patienten und die eigene Trauer zu verarbeiten
  • kann frühzeitig in der Erkrankung angewendet werden in Kombination mit
    lebenserleichternden Massnahmen, wie beispielsweise Chemo- und Radiotherapie.
  • beinhaltet auch die notwendige Forschung, um Beschwerden oder klinische Komplikationen besser verstehen und behandeln zu können

Die Schulmedizin stellt das Heilen der Krankheit ins Zentrum der Aktivitäten. Auch in weniger aussichtsvollen Fällen wird schulmedizinisches Können bis zuletzt ausgereizt, um die tödliche Krankheit zurückzudrängen.

In der Palliative Care steht der ganze Mensch – nicht nur seine Krankheit – im Mittelpunkt. Es geht nicht mehr um den Kampf gegen die Krankheit, sondern um das bestmögliche Leben mit der Krankheit! Eine Frühintegration von Palliative Care führt vielfach zu einer deutlich besseren Prognose und Behandlung. Durch eine verständliche und wiederholte, stufenweise Aufklärung sind die Betroffenen in der Lage, realistische Erwartungen zu entwickeln. Diese eigenständige Willensbildung ist eine Grundvoraussetzung, um Möglichkeiten und Grenzen der kurativen wie der palliativen Behandlung zu erkennen und Einfluss zu nehmen auf die eigene Lebensqualität bis zum letzten Lebensabschnitt. Die Pflege und Betreuung durch Angehörige ist psychisch und physisch äusserst belastend. Sie müssen unterstützt, informiert und in Entscheidungen miteinbezogen werden.

Es empfiehlt sich, mit einer Patientenverfügung eigene Wünsche und individuelle Bedürfnisse festzuhalten.

Der Kanton Aargau benötigt mehr ambulante und stationäre Angebote für Palliative Care. Die Angebote für Zuhause, in Pflegeheimen, in Akutspitälern inklusive Rehabilitation sind heute unzureichend aufeinander abgestimmt, von extrem unterschiedlicher Qualität, ungleich und unzureichend finanziert. Die Ausbildungen sowie der Personalschlüssel des Fachpersonals sind zu uneinheitlich.

Der ASV hat folgende Erwartungen an die kantonale Neukonzeption Palliative Care (PC).

  1. PC wird in allen Regionen des Kantons nach einem einheitlichen Konzept ambulant und stationär angeboten, ausgebaut und finanziert.
  2. Eine einheitliche Finanzierung seitens der öffentlichen Hand und den Versicherern ohne Schlechterstellung gegenüber der kurativen Behandlung ist zwingend.
  3. Die Koordination und enge Zusammenarbeit unter den verschiedenen Leistungserbringern sind vom Kanton zu fördern und zu unterstützen.
  4. Die Aufklärung und Information der Bevölkerung muss verstärkt werden und hat flächendeckend zu erfolgen.
  5. Der Aus- und Weiterbildung des notwendigen Fachpersonals ist grosses Gewicht beizumessen.
  6. Für alle Anbieter müssen Voraussetzungen geschaffen werden, um ausreichend spezifisch ausgebildetes Personal anstellen zu können.
  7. Die Würde und die Rechte der Betroffenen sind jederzeit und umfassend zu respektieren.

News

Die Abteilung Gesundheit wurde vom Regierungsrat beauftragt, bis Juli 2021 ein Konzept Palliative Care 2022 zu entwickeln. Das Konzept und ein Grundlagenbericht, an welchen auch der ASV mitgewirkt hat, liegen nun in einer ersten Fassung vor.

Die Entwürfe zum Konzept und zum Grundlagenpapier sowie eine Präsentation zum aktuellen Stand (März 2021) finden sie hier.

Wir stellen gerne fest, dass die Forderungen aus unserem Positionspapier zu einem grossen Teil in die Entwürfe aufgenommen worden sind.